Erfahrungen aus der Eigenleistung

Bei der Bemusterung standen wir vor der Entscheidung in wie weit das Haus von Hanse Haus innen ausgebaut wird (Fast Fertig oder Schlüsselfertig).

Fast Fertig bedeutet ganz grob, dass die entsprechenden Räume mit Gipskarton ausgekleidet werden und man ab dort selbst übernimmt.

Im Vergleich zu lokalen Handwerkern ist Hanse Haus unserer Einschätzung nach teurer. Allerdings hat man den Vorteil des zentralen Ansprechpartners über den Bauleiter. Wenn irgendwas nicht ganz in Ordnung ausgeführt wurde hat sich unser Bauleiter darum gekümmert. Als einzelner Kunde beim Handwerker hat man da sicherlich einen schlechteren Stand.

Ein weitere Vorteil war, dass alle Arbeiten ganz gut im Zeitplan, der kurz vor Hausstellung erstellt wurde, durchgeführt wurden. Die Heizungsbauer waren etwas später dran, aber schon beim nächsten Gewerk wurde die Zeit wieder eingeholt. Das gab für die Kündigung der Wohnung und den Umzug eine große Planungssicherheit.

Um eine Mischung der Vorteile, aber nicht zu hohe Kosten zu haben, hatten wir uns dazu entschlossen schlüsselfertig zu bauen, bis auf zwei Kinderzimmer, Gästezimmer und Abstellraum.

Bei Gesprächen zu dieser Entscheidung und auch beim Bauanlaufgespräch hieß es, dass wir unsere Arbeiten parallel zu den Arbeiten von Hanse Haus durchführen können. Da aber kurz nach dem Anlaufgespräch ein anderer Bauleiter übernommen hat, war das nicht mehr so einfach möglich. Wir hätten eine Komplettabnahme des Hauses vor dem Beginn unserer Arbeiten machen müssen. Da zu dem Zeitpunkt natürlich noch viele Gewerke gar nicht begonnen hatten und somit die Liste der offenen Punkte sehr lang geworden wäre, haben wir darauf verzichtet.

Aber nun zu unseren Erfahrungen der Eigenleistung.

Für den Boden haben wir uns für den gleichen Boden entschieden, den auch Hanse Haus eingebaut hat (Design-/Vinylboden). In den Ecken und im Bereich um die Lüftungszulässe im Boden mussten wir den Estrich noch etwas begradigen. Zwar war er wohl innerhalb der Toleranz der Estrichlegung, aber nicht innerhalb der Anforderung des Bodenbelages. Zum Kürzen der Designbodenplatte hatten wir uns eine Zug-Kappsäge geliehen. Wichtig dafür war ein vernünftiges Sägeblatt, damit die Kanten nicht ausfransen. Hier sieht man in der Ausführung kein Unterschied zur Ausführung durch den Profi.

Die Wände haben wir drei mal gespachtelt und geschliffen, grundiert, mit Vlies tapeziert und gestrichen. Das Ergebnis ist nicht ganz so gut wie vom Maler, aber für selbst gemacht sind wir sehr zufrieden damit.
Da wir zeitgleich unsere alte Wohnung gestrichen haben, konnten wir bei der Farbe direkt Alpina weiß gegen Sto Farbe vergleichen. Der Unterschied ist echt enorm: bessere Deckkraft, weniger Spritzer von der Rolle. Der Aufpreis lohnt sich! Auch vernünftiges, also teures, Kreppband lohnt sich. Das Hinterlaufen von Farbe ist nur minimal bis gar nicht vorhanden. Beim Werkzeug waren eine kleine Arbeitsbühne, Industriesauger und Langhalsschleifer unsere besten Freunde. Die Investition oder freundliche Leihgabe, wie in unserem Fall, schont die Nerven und spart Kraft und Zeit.

Unsere Küche ist von IKEA, die Elektrogeräte kommen von Bosch, Siemens, Neff und wir haben alles selbst aufgebaut. Bei mehreren Hausführungen haben wir, ohne dieses zu erwähnen, Lob für die Küche bekommen. Als wir die schwedische Herkunft offenbarten, sind einige Besucher total verblüfft gewesen. Der Ruf scheint offenbar nicht der Beste zu sein. Bisher sind wir sehr zufrieden und haben an der Stelle einiges gespart im Vergleich zur uns angebotenen Nobilia Küche über den von Hanse Haus vermittelten Küchenbauer (vom Küchenstudio ganz zu schweigen). Auch hier war wieder viel Werkzeug im Spiel. Die größte Hilfe war die (auch geliehene) Akkustichsäge für Aussparungen in Rückwänden und in den Arbeitsplatten.
Natürlich hat die Planung und Durchführung einiges an Eigenleistung bedeutet, die man beim Küchenbauer nicht hat. Wichtiger Punkt war auch, dass wir zwei IKEA Möbelhäuser in der Nähe haben. Wenn noch irgendeine Leiste, eine Front oder Schiene benötigt wurde, mussten wir entsprechend noch mal los. Material von der ursprünglichen Lieferung, auch wenn schon geöffnet und montiert, das doch nicht benötigt wurde, wurde ohne Probleme zurück genommen.

Hilfreich für einige Arbeiten waren auch Videos auf YouTube. Nicht alles ist dort ideal oder richtig beschrieben, aber man bekommt zumindest einen guten Überblick. Die besseren Tipps bekommt man von den Handwerkern die im Haus sind.

Zusammengefasst: Wenn man nicht zwei linke Hände hat, auf etwas Hilfe von Familie und Freunden zählen kann und nicht nur Werkzeug vom Discounter zur Verfügung hat, ist das durchaus machbar. Durch unser zweigleisiges Prinzip konnten wir nach Übergabe direkt einziehen und haben in etwa 5 Wochen oben stehendes plus Renovierung der alten Wohnung, Umzug und Kisten auspacken hinbekommen. In den ersten Wochen war es durch die Arbeiten entsprechend staubig und dreckig im Haus. Also wer so ein Vorgehen plant, soll sich dessen bewusst sein, mit dem Bauleiter die frühere Ausführung planen, oder später einziehen 😉